15.08.06

einige Eckpunkte und was sich ändert.

Die Gesundheitsreform 2007 –

Höhere Beiträge
Ab Anfang 2007 sollen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung um 0,5% steigen. Dies wird eine Erhöhung des durchschnittlichen Beitragssatzes der gesetzlich Versicherten auf 14,7% bedeuten.

Gesundheitsfonds
In einen Gesundheitsfond sollen die Beiträge der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber fließen. Grundsätzlich sollen die Gesundheitsfonds die Unterschiede zwischen armen und reichen Kassen mindern. Die Kassen erhalten dann aus dem entstandenen Pool einen Einheitsbeitrag für jeden Versicherten. Kommen die Kassen damit nicht aus, so können sie eine Zusatzprämie erheben.

Risikostrukturausgleich
Der Risikostrukturausgleich ist einfach ausgedrückt der Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen. Dieser ist eng verbunden mit dem Gesundheitsfond. Beide sollen 2009 in Kraft treten. Mit dem Risikostruktur­ausgleich soll die ungleiche Verteilung der Kranken auf die verschiedenen Kassen aufgeteilt werden, um so die Kassen vor ungleichem Wettbewerb zu schützen.

Krankenversicherung für alle (PKV)
Die Privaten Krankenkassen sollen verpflichtet werden, allen Eintrittswilligen einen Basistarif anzubieten, der sich an den Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) orientiert. Auch bis dato Nichtversicherte sollen diesen Tarif dann in Anspruch nehmen dürfen.
Grundsätzlich soll sich der Tarif an dem Höchstbeitrag der GKV orientieren, dieser liegt momentan bei 500,00.- Euro. Wenn dieser Beitrag bei einem Versicherten dann eine "Hilfsbedürftigkeit" auslösen sollte, weil er diesen nicht bezahlen kann, soll er einen Staatszuschuss erhalten.
Dies wird gerade für jene eine erhebliche Erleichterung bedeuten, die aufgrund von nicht gezahlten Beiträgen aus der Krankenversicherung rausgeflogen sind.

Vergütung der Ärzte
Anstelle eines Honorarsystems soll bei den Ärzten ein einfaches Punkte­system mit Pauschalvergütung eintreten. Die Ärzte wissen dann bereits vor Behandlung, welche Leistung Sie für diese Behandlung erhalten werden. Die Budgetierung, die bis heute gilt und höchst umstritten ist, soll so abgeschafft werden.

Kassenleistungen werden eingeschränkt
Zukünftig fallen z.B. einige Leitungen der Kassen voll aus: so werden Komplikationskosten für Piercings, Schönheitsoperationen und Tätowierungen gar nicht mehr bezahlt.
Im Gegenzug dazu werden aber z.B. Leistungen wie Impfungen und Mutter-Kind-Kuren als Pflichtleistungen eingeführt, und müssen so künftig von den Kassen übernommen werden.
Weiter müssen die Kassen künftig Hausarzttarife anbieten um zu gewährleisten, dass die Versicherten zu erst den günstigen Hausarzt aufsuchen, bevor Sie zum teureren Facharzt gehen.
Wer Vorsorgeangebote regelmäßig wahrnimmt, der soll durch einen Bonus von seiner Kasse belohnt werden.
In den Krankenhäusern soll in Zukunft besonders die ambulante Betreuung verbessert werden. Finanziert werden soll dies durch einen gemeinsamen Zuschuss von Kassen und Krankenhäusern.

Medikamente und Arzneimittel
Sämtliche Kassen und Apotheken sollen zu Preisverhandlungen verpflichtet werden um so, die Kosteneinsparungen einzuhalten. Diese liegen bei derzeit 500 Millionen Euro. Es werden Höchstpreise für Medikamente eingeführt – soll heißen, die Hersteller können dann nicht mehr bestimmte Medikamente beliebig teuer anbieten.
Ärzte, die besonders teure Medikamente verschreiben, sollen dies nur dann noch können, wenn sie zuvor die Meinung eines anderen Kollegen eingeholt haben. Grundsätzlich sollen neue Medikamente besonders auf Ihren Kosten-Nutzen getestet werden.

Quelle: Bundesgesundheitsministerium | Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums .

Die Pflegereform –
fallen 50% aller Pflegebedürftigen aus dem sozialen Netz heraus?.


Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Union plant Abschaffung der Pflegestufe I

Die Sparpläne der Politik zur Pflegereform machen offenbar vor nichts mehr Halt: Wenn es nach dem Willen der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) geht, sollen die erheblich Pflegebedürftigen der Pflegestufe I künftig überhaupt keine Leistungen der Pflegeversicherung mehr erhalten. Das spare der Pflegeversicherung 4 Milliarden Euro, berichtete die Bild-Zeitung. Insgesamt solle die Pflegeversicherung bis 2050 in eine reine Privatversicherung umgewandelt werden.
Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Bernd Meurer der bundesweit über 4.500 private Pflegeeinrichtungen vertritt: "Richtig ist sicher, besser vorzusorgen und einen Kapitalstock aufzubauen. Allerdings bin ich entsetzt, wenn die Probleme der Pflegeversicherung gelöst werden sollen, indem man kurzerhand die Leistungen der Pflegestufe I abschaffen will. Damit kürzt man 50% aller Pflegebedürftigen in Deutschland - das sind über eine Million Menschen - den Zuschuss der Pflegeversicherung. Die Pflege muss der Gesellschaft mehr wert sein. Die Pflegeversicherung muss auch künftig solidarisch vor dem Armutsrisiko Pflege schützen, auch wenn dafür der Beitrag steigen muss."
Im Bereich der stationären Pflege wären davon rund 250.000 künftige Heimbewohner von dieser radikalen Sparmaßnahme betroffen; im Bereich der häuslichen Pflege sogar über 750.000 Pflegebedürftige. Diese Menschen haben, ebenso wie die Pflegebedürftigen in den Stufen II und III, einen Anspruch auf Pflegeversicherungsleistungen. Bernd Meurer: "Wenn die Hälfte aller Pflegebedürftigen künftig aus dem sozialen Netz heraus fällt, hat die Pflegeversicherung ihr Ziel verfehlt. Das ist nichts anderes als organisierte Altersarmut."

Quelle: bpa - Bundesverband privater Anbieter Sozialer Dienste e.V.



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